Weihnachten, ein Fest der Sinne. Schaden uns die vielen Düfte?

Intensive Düfte zur Weihnachtszeit

Die Verkaufsstrategen wissen längst, dass uns Düfte in gute Stimmung bringen und unsere Kauflust anstacheln können. Die Effekte der ätherischen Öle haben es aber in sich, weiß Dr. Andrea Tögel, Arbeitsmedizinerin im AMD Salzburg. „Ätherische Öle entfalten eine direkte Wirkung auf bestimmte Bereiche des Gehirns und können so verschiedene psychische und physische Vorgänge regulieren, wie die Stimmung, die Kreativität, die Erinnerung oder das Gedächtnis. Sie haben eine tiefe Wirkung auf unser seelisches Gleichgewicht, ihr Duft kann beruhigen, aber auch anregen und motivieren - je nachdem, welche Düfte zum Einsatz gelangen.“

Wie der Geruchssinn funktioniert, erklärt Dr. Tögel: „Jeder Mensch riecht, indem die Moleküle eines bestimmten Duftes an dessen Nase gelangen. Dort treffen sie auf die Riechsinneszellen, die alle vier Wochen erneuert werden. Diese lösen einen Impuls aus, der zum sogenannten ‚Riechkolben‘, einem Nervengeflecht hinter der Stirnhöhle, weitergeleitet wird. Von dort nimmt der Impuls den Weg ins Gehirn, wo die Moleküle als ganz bestimmter Geruch erkannt und abgespeichert liegt. Bis zu 10.000 unterschiedliche Gerüche können so im Gedächtnis behalten werden. Gerüche sind auch deshalb so ‚mächtig‘, weil beim Riechen auch jene Hirnareale beteiligt sind, in welchen unsere Emotionen sitzen – wie etwa das limbische System. So können Düfte sogar unsere Gefühle und Stimmungen mit beeinflussen.“

Düfte steigern zum Beispiel die Kauflust. Hier werden die Schwachstellen des sensiblen Geruchssinnes manipuliert. Von den USA und Japan kommend, hat auch bei uns die ‚Beduftung‘ mit künstlichen Duftstoffen Einzug gehalten. Es werden Kaufhäuser beduftet, um die Kaufbereitschaft zu steigern; Tiefgaragen besprüht, um Parkende ihre Ängste zu nehmen; Und alte Autos werden mit Düften aufgemöbelt zum ‚Fast-wie-neu-Wagen‘. Die Frage, ob Duftstoffe nur das Kaufverhalten ändern, oder auch zu körperlichen Krankheitssymptomen führen können? ist weiterhin noch nicht bewiesen.

Dr. Tögel: „Wahrscheinlich ist, umso mehr beduftet wird, desto stärker reagieren Menschen auf künstliche Duftstoffe. Nach Schätzungen gibt es in unseren Breiten schon rund 50.000 Duftstoffallergiker. Besonders anfällig sind Kleinkinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und jene, die bereits unter einer Kontaktallergie (meist Nickel) leiden. Häufigstes Symptom sind Hautausschläge. Mein Tipp für Weihnachten: Gehen Sie also gerade jetzt in der duftenden Zeit sparsam mit Duftölen, Duftkerzen und Räucherstäbchen um und genießen Sie mehr die natürlichen Düfte von Mandarinen, Nelken, Zimt, Bratapfel und Co.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein besinnlich duftendes  Weihnachtsfest,

Ihre Arbeitsmedizinerin Dr. Andrea Tögel

Zur Person:
Dr. Andrea Tögel ist Ärtztin für Allgemeinmedizin und Arbeitsmedizinerin und seit 1999 im AMD Salzburg tätig. Sie verfügt über zahlreiche Zusatzqualifikationen wie dem ÖÄK-Diplom für Notfallmedizin und für Ernhärungsmedizin. Sie betreut arbeitsmedizinisch namhafte Handelskonzerne. Sie ist die Expertin für Ernährung und Beruf, Gewichtsreduktionsprogramme, Belastungen und Beaspruchungen im Handel und hat zudem umfassende Erfahrung in der Durchführung von Gesundheitsprojekten.